Kulturhaus Bruckmühle

1.OBERÖSTERREICHISCHE STEINGUTFABRIK PRÄGARTEN K. B. GREINER & Co

1905 wurde die „Erste Oberösterreichische Steingutfabrik Prägarten K. B. Greiner & Co” auf dem Gelände der „Bruckmühle Nr. 78 in Prägarten” gegründet. Diese verkaufte 1911 ihre Liegenschaften an die „I. O. Ö. Steingutfabrik Prägarten, Gesellschaft mit beschränkter Haftung”. 1924 wurde die Fabrik stillgelegt, mit 1. Jänner 1929 wurde die Gesellschaft aufgelöst und am 31. Dezember 1931 gelöscht.

Nur eine kurze Episode stellte ab 11. Mai 1925 die „Steingutfabrik di Giorgio” dar, die fabriksmäßig Steingutgebrauchsgeschirr erzeugte. Als Fabrikant wird Rudolfo di Giorgio in Schöndorf bei Vöcklabruck genannt. Nur wenige Stücke aus dieser Produktion haben sich mit der entsprechenden Marke erhalten.

In Zeiten großer Nachfrage waren in der Steingutfabrik bis zu 100 Mitarbeiter beschäftigt. Ein Teil der Produktion ging, mit den entsprechenden fremdsprachigen Aufschriften versehen, in die Kronländer der Monarchie und nach England. Das Produktionsprogramm lässt sich anhand einer aus dem Jahr 1907 erhaltenen „Preis-Liste” belegen. Für einen gehobeneren Kundenkreis waren demnach neben Tafelgeschirr diverse „Haushaltsgarnituren” im Programm, bestehend aus Gemüse- und Gewürztonnen, Essig- und Ölflaschen, Salz- und Mehlbehälter, ergänzt durch Nudelroller, Notiztafel, Milchkannen verschiedener Größe, Gurkenhobel, Sand-, Seifen- und Sodabecher bis zur Küchenuhr.

Die Dekore trugen Namen wie „Elisabeth”, „Maria Theresia” oder „Margarita” mit Margeritenblumen, „Delft” mit Windmühlen und „Zwiebel” mit blauem Zwiebelmuster. Weitere Dekore mit Kleeblatt oder geometrischen Mustern erhielten Nummern als nähere Bezeichnung. Ebenso waren die dazu gehörenden Etagèren und Nudelrollerhalter aus Holz im Angebot.

Für die Firmengründung der „Ersten Oberösterreichischen Steingutfabrik K. B. Greiner & Co.” waren neben der günstigen Verkehrslage durch die bereits 1872 vollendete Eisenbahnlinie Linz-Budweis, die Wasserkraft der Feldaist sowie die nahen Rohstoffvorkommen - Kaolin, Ton und Sand - ausschlaggebend.
Als Brennmaterial wurde Kohle für den Brennofen hauptsächlich aus Tschechien eingeführt.

In Oberösterreich wurde solche Keramik in Gmunden durch die Firma Schleiß (1932-1980), in Linz durch die Firma Czap (1933- 1982), in Vöcklabruck durch die Firma Gollhammer (ab 1919) und in St. Peter bei Freistadt (1925-1959) erzeugt.

Der Rohton wurde aus Grotental bei Rainbach (5 km nördlich von Freistadt) bezogen. Als Brennmaterial wurde Torf aus Labach mit der Feldbahn zur Hafnerei gebracht. Vor dem zweiten Weltkrieg exportierte das Unternehmen 50 % der Produktion in die Südost- Staaten und nach Südamerika.

Auch nach dem Krieg fand die Ware guten Absatz. Noch in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden Pferdefuhrwerke voll mit Keramik aus St. Peter bei Freistadt nach Wien gebracht. Doch änderten sich in den späten 1950er Jahren die Mode und der Geschmack der Abnehmer, sodass das Unternehmen 1959 seinen Betrieb einstellen musste.

1. OÖ Steingutfabrik Pregarten

CHRONOLOGIE

VON DER "BRUCKMÜHLE" ÜBER DIE 1. OÖ STEINGUTFABRIK ZUM KULTURHAUS

Im Ottokarischen Urbar (1251-1276) gibt es eine konkretere Aussage, hier heißt es
"de molendino ibidem apud Pontem" (der Müller an der Brücke).

Zwischen 1634 und 1905 war das Haus in den Händen von verschiedenen Müllern und Bräuern.

1905 - 1911 Erste Oberösterreichische Steingutfabrik Greiner & Co
1905: Umbau der Mühle zur Steinguterzeugung
1906: Errichtung eines Riegelwand-Magazins
1907: Mitteltrakt abgebrannt, Wiederaufbau und Aufstockung
1911 - 1931 Erste Oberösterreichische Steingutfabrik GmbH
1924: Steingutfabrik wird stillgelegt
1931 - 1952 Johann, Franz, Anton und Leopold Pfahnl
1931: Getreidelager
1932 - 1953 Lichtspieltheater im aistseitig gelegenen Gebäudetrakt
1952 - 1991 Pfahnlmühle GmbH u. Co.KG.
1974 Brand im Getreidelager, September
1991 Marktgemeinde Pregarten
1999 Kulturhaus Bruckmühle

Am 24. 09. 1911 verkaufte die "1. OÖ. Steingutfabrik K.B. Greiner und Co" in Pregarten ihre Liegenschaft an die "1. OÖ.Steingutfabrik Pregarten, GmbH".
Ab 11. 05. 1925 vermerkt das Handelsgericht Linz eine "Steingutfabrik di Giorgio" welche Steingutgebrauchsgeschirr erzeugt und Pregarten zum Standort hat.
23. 11. 1990 Unterzeichnung des Kaufvertrages zwischen "Pfahnlmühle GmbH u. Co" und "Pfahnl Betriebsgesellschaft mbH" und der Marktgemeinde Pregarten Gesamtausmaß von 9.372 m².

VON DER STEINGUTFABRIK ZUM KULTURHAUS BRUCKMÜHLE

Seit 1999 sind in der ehemaligen Steingutfabrik - der Bruckmühle - folgende Organisationen und ein Verein untergebracht:

Büro der Kultur- und Regionalentwicklung gem. GesmbH (GF Georg Mittendrein)
Landesmusikschule (Dir. Winfried Hackl)
Musikverein (Obmann Franz Fragner)

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INDUSTRIEBAU-MEHRSCHIFFIGE HALLE-KUNSTQUARTIER

Von außen sieht das Kulturhaus Pregarten, die „Bruckmühle" wie ein Mühlviertler Findling aus, ein gewaltiger Stein, schlicht in die Landschaft gesetzt nach den Plänen der Architekten RIEPL RIEPL.
Im Inneren präsentiert es sich als imposantes Gewölbe in sattem Rot. Für optimale Akustik im großen Saal wurden Gipskarton-Lochplatten mehrfach beplankt montiert und damit die idealen Voraussetzungen für Schallabsorption und -reflexion geschaffen.

Die außergewöhnliche Optik der Architektur wurde über Rundungen, teilweise Streiflichtspachtelung, gebogene und gekrümmte Gipskartonlachplattenflächen erzielt.

Peter und Gabriele Riepl sind als Sieger aus einem geladenen Wettbewerb hervorgegangen, der die Adaptierung des Industriebaues als multifunktionale, kulturell genutzte Institution zum Thema hatte.
Die zwei Hauptgebäude der Fabrik wurden erhalten und saniert. Ein drittes Haus ergänzt die Reste der alten Anlage zu einem Ensemble, das im Sinne des funktionellen Zusammenhangs durch einen weiteren Neubautrakt verbunden ist.

Bei der Konzeption der notwendigen Neubauten wird versucht im Sinne industriellen Denkens zu handeln. Erregte oder launige Architektur soll vermieden werden. Die bestehenden Objekte werden ergänzt, in pragmatischer, additiver Weise durch eine flexible, mehrschiffige Halle.
Aufgrund streng hierarchischer Ordnung im Inneren ist trotz Komplexität des Programms die Übersichtlichkeit gegeben. Demgegenüber entsteht Lebendigkeit durch wechselnde Raumfigurationen und das differenzierte Spiel von Volumen und Licht.

Die Gesamtanlage versteht sich als Quartier für ein ambitioniertes Kunst- und Kulturprogramm und als Hintergrund vielfältiger Aktivitäten. Die mehrschiffige Halle wird als zentraler Platz der Anlage verstanden. Dort befindet sich auch der Haupteingang, der zu den Altbauten führt. Die Altbauten sind normal zur Hauptachse angedockt. Die Hauptfassade des Platzes bildet die zwei geschosshohe Verglasung an der Ostseite.
Durch das Heranrücken entsteht ein monumentales Bild, das die kleinräumige, romantische Landschaft in ungewohnt eindringlicher Weise vermittelt.

Wettbewerb 1992 | Bauzeit 1997-1999
Mitarbeiter: Johann Zaunrieth/ Wolfgang Jelinek / Dietmar Moser / Andreas Sturmberger

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Die Architekten Peter und Gabriele Riepl haben die zwei Hauptgebäude der Fabrik erhalten und saniert. Ein drittes Haus ergänzt die Reste der alten Anlage zu einem Ensemble, das im Sinne des funktionellen Zusammenhangs durch einen weiteren Neubautrakt verbunden ist. Die Altbauten haben Riepl Riepl weitgehend unverändert belassen.

Die Eingriffe in das Vorgefundene sind minimal und passen sich in ihrer Haltung dem Geist des Industriebaues an. Die neuen Bauelemente- und dazu zählen vor allem akustisch wirksame Decken und in diese zum Großteil integrierte Beleuchtungskörper und Lüftungsöffnungen sind ohne Nachdruck auf ihr technisches Können mit der historischen Bausubstanz verschmolzen. Darüber hinaus haben Riepl Riepl die ganz besonders zarten Profile der Metallfenster erhalten und den notwendigen thematischen und akustischen Abschluss nach außen über Isolierglasfenster bewerkstelligt.
Neben dem Kleinen Saal im ersten Stockwerk, der heute als Ausstellungsraum der Galerie 4230 genützt wird, befindet sich der Tagugnsraum. Dieser ist nur über ein eigenes angelegtes Stiegenhaus erreichbar.
Im Erdgeschoß des Traktes wird ein Gasthaus betrieben.

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FINDLING

Der Festsaal, auch "Findling" genannt, ein mehrfach gekrümmtes, keinen ersichtlichen Regeln achsialer Geometrie verpflichtendes Volumen umhüllt eine in ihrer Größe veränderbare, für verschiedene Zwecke verwendbare Bühne und ein Auditorium, dessen untere Ebene ebenfalls mehrere Nutzungen zulässt und mit einer steil ansteigenden Galerie auf das erforderliche Platzangebot für 400 Personen erweitert wird.
Dieser an der Außenseite mit Metallplatten verkleidete Körper steht mit den in der Gegend häufigen einfach nur für die Geschlossenheit seiner Form. In seinem Inneren ist der silbrig glänzende Mugl zur Gänze festlich dunkelrot verkleidet.

Hinter dem großen Saal geht es noch einmal weiter in die notwendigen Nebenräume, an denen auch der Proberaum des örtlichen Musikvereins Pregarten anschließt.

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Die HALLE UND DER DIALOG MIT DER NATUR

Die verschiedenen Niveaus der beiden Altbauten wurden über Rampen verbunden. Der Dialog mit der Natur bildet die gestalterische Grundlage der Halle. Die Durchsichtigkeit der gläsernen Außenhaut, der grüngrau geschieferte Keramikboden und die große Höhe der Halle, mit dem als Brücke hinein gestellten Verwaltungstrakt der Landesmusikschule machen deutlich,
wie wesentlich für das Kulturhaus Bruckmühle der Bezug zum Naturraum sowie zur Feldaist ist.

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